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Teil 2: Einzelaktien im Backtest - Was bringen 6 Euro pro Woche über 10 Jahre?

Dies ist Teil 2 von 4 der Serie Lotto vs. Investition. Hier wird erläutert, was passiert wäre, wenn dieselben 6 Euro pro Woche nicht im Lotto gelandet wären, sondern über 10 Jahre in Einzelaktien investiert worden wären.

Dieser Beitrag dient ausschließlich zu Bildungszwecken. Details zu Risiken und Haftungsausschluss finden Sie hier.

Hinweise zu Kosten, Steuern und Methodik

Für die folgenden Berechnungen wurden realistische Kaufkosten berücksichtigt:

  • Sparrate: 6 Euro pro Woche bzw. 312 Euro pro Jahr
  • Kaufstrategie: Jährlich ein Kauf, sobald 312 Euro angespart sind
  • Orderkosten: 10 Käufe à 7,50 Euro = 75 Euro Gesamtkosten
  • Dividenden: Werden erfasst und unter bestimmten Bedingungen reinvestiert
  • Steuern: Nicht berücksichtigt, da die individuelle Steuersituation stark variiert

Kapitalerträge unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungssteuer. Für eine realistische Nettobetrachtung müssen persönliche Freibeträge, Teilfreistellungen und die individuelle Depotstruktur zusätzlich berücksichtigt werden.

Szenario 2: Betrag in Aktien investieren

Statt wöchentlich Lotto zu spielen, könnte man die 6 Euro auch ansparen und am Jahresende in Aktien investieren. Die folgenden Ergebnisse basieren auf Tests mit historischen Marktdaten über verschiedene Zeiträume und Aktien.

Methodik: Quasi-zufällige Käufe wie beim Lotto

Eine wichtige Parallele zum Lotto: Die Kaufzeitpunkte sind nicht optimiert. Wie beim Lotto, wo man die Zahlen nicht beeinflussen kann, erfolgen die Käufe hier mechanisch nach einem festen Sparplan, unabhängig davon, ob der Kurs gerade hoch oder niedrig steht.

  • Timing: Käufe erfolgen mechanisch nach Kalender, nicht nach Marktanalyse
  • Bruchstücke: Erlaubt, also keine Rundung auf ganze Aktien
  • Historische Kursdaten: Echte Marktpreise aus verschiedenen 10-Jahres-Zeiträumen
  • Ausstieg: Nach 10 Jahren zum dann aktuellen Marktpreis

Diese Methode ist mit einem festen Lottobudget vergleichbar: Man setzt regelmäßig denselben Betrag ein, ohne den konkreten Zeitpunkt zu optimieren. Der Unterschied liegt darin, dass Aktien einen produktiven Vermögenswert repräsentieren und daher einen anderen Erwartungswert haben.

$$ \text{Endwert} = 3.120,\text{Euro} + \text{kumulierter Gewinn/Verlust} $$

Getestete Aktien (verschiedene Zeiträume)

Insgesamt wurden 29 Einzelaktien-Tests über drei verschiedene 10-Jahres-Zeiträume durchgeführt (1997–2007, 2004–2014, 2014–2024). Die Ergebnisse zeigen die extremen Schwankungen des Einzeltitelrisikos.

Einzelaktien (29 Tests)

ZeitraumAktieEndwertGewinn/VerlustPerformance
1997–2007AT&T Inc.3.110 Euro-22 Euro-0,7 %
2004–2014AT&T Inc.2.928 Euro-198 Euro-6,3 %
2014–2024AT&T Inc.4.551 Euro+1.419 Euro+45,3 %
1997–2007BASF SE7.193 Euro+4.067 Euro+130,1 %
2004–2014BASF SE6.547 Euro+3.415 Euro+109,1 %
2014–2024BASF SE2.585 Euro-541 Euro-17,3 %
1997–2007Chevron Corp.4.232 Euro+1.100 Euro+35,1 %
2004–2014Chevron Corp.3.234 Euro+108 Euro+3,5 %
2014–2024Chevron Corp.3.454 Euro+322 Euro+10,3 %
1997–2007Deutsche Lufthansa AG5.055 Euro+1.929 Euro+61,7 %
2004–2014Deutsche Lufthansa AG5.127 Euro+2.001 Euro+64,0 %
2014–2024Deutsche Lufthansa AG2.438 Euro-688 Euro-22,0 %
2004–2014ING Groep N.V.3.561 Euro+447 Euro+14,4 %
2014–2024ING Groep N.V.4.621 Euro+1.495 Euro+47,8 %
1997–2007Pfizer Inc.1.925 Euro-1.207 Euro-38,5 %
2004–2014Pfizer Inc.3.625 Euro+499 Euro+16,0 %
2014–2024Pfizer Inc.2.425 Euro-707 Euro-22,6 %
1997–2007Rheinmetall AG5.808 Euro+2.682 Euro+85,8 %
2004–2014Rheinmetall AG3.895 Euro+763 Euro+24,4 %
2014–2024Rheinmetall AG15.056 Euro+11.930 Euro+381,6 %
1997–2007RWE AG6.208 Euro+3.082 Euro+98,6 %
2004–2014RWE AG2.185 Euro-947 Euro-30,2 %
2014–2024RWE AG4.575 Euro+1.449 Euro+46,4 %
1997–2007Siemens AG5.268 Euro+2.142 Euro+68,5 %
2004–2014Siemens AG4.477 Euro+1.345 Euro+43,0 %
2014–2024Siemens AG4.833 Euro+1.707 Euro+54,6 %
1997–2007TUI AG2.593 Euro-533 Euro-17,0 %
2004–2014TUI AG4.398 Euro+1.272 Euro+40,7 %
2014–2024*TUI AGoffen-1.750 Euro-56,0 %

*noch nicht abgeschlossen (Stand: Juni 2026)

Statistik Einzelaktien:

  • Erfolgsquote: 19 von 29 positiv (65,5 %)
  • Spannweite: -1.750 Euro bis +11.930 Euro (Differenz: 13.680 Euro)
  • Durchschnitt: +1.349 Euro (+43,2 %)
  • Median: +931 Euro (+29,8 %)

Was diese Ergebnisse zeigen

  1. Extreme Streuung: Die Spannweite reicht von -1.750 Euro bis +11.930 Euro bei gleichem Einsatz und gleicher Methodik.
  2. Zeitraum-Abhängigkeit: Dieselbe Aktie kann je nach Startjahr stark unterschiedliche Ergebnisse liefern.
  3. Verlustrisiko signifikant: 10 von 29 Tests endeten im Verlust.
  4. Timing ist entscheidend: Mechanische Käufe ohne Marktanalyse führen je nach Marktphase zu sehr unterschiedlichen Endständen.
Aktie1997–20072004–20142014–2024
PerformanceG/VPerformanceG/VPerformanceG/V
RWE+98,6 %+3.082 Euro-30,2 %-947 Euro+46,4 %+1.449 Euro
BASF+130,1 %+4.067 Euro+109,1 %+3.415 Euro-17,3 %-541 Euro
Rheinmetall+85,8 %+2.682 Euro+24,4 %+763 Euro+381,6 %+11.930 Euro

Ausgewählte Beispiele im Detail

Drei unterschiedliche Szenarien

TUI AG (TUI) – Dramatisches Verlustbeispiel

Europäischer Touristikkonzern, stark von COVID-19 betroffen.

Backtest-Ergebnis (2014–2024*):

  • Kumulierter Netto-Verlust: -1.750 Euro
  • Endwert: Noch offen
  • Beobachtung: Massive Einbrüche durch Pandemie und schwierige Erholungsphase

Fazit: Zeigt das extreme Einzeltitelrisiko. Selbst bei 10-jähriger Haltedauer können massive Verluste entstehen.

Rheinmetall AG (RHM) – Außergewöhnlicher Erfolg

Deutscher Technologiekonzern, Rüstungs- und Automobilzulieferer.

Backtest-Ergebnis (2014–2024):

  • Kumulierter Netto-Gewinn: +11.930 Euro
  • Endwert: 15.056 Euro
  • Beobachtung: Bestes Ergebnis aller Tests

Fazit: Zeigt das enorme Potenzial einzelner Aktien in günstigen Marktphasen.

BASF SE (BAS) – Zeitraum-Abhängigkeit par excellence

Deutscher Chemiekonzern, weltgrößter Chemiekonzern.

Backtest-Ergebnisse über drei Zeiträume:

  • 1997–2007: +4.067 Euro (+130,1 %)
  • 2004–2014: +3.415 Euro (+109,1 %)
  • 2014–2024: -541 Euro (-17,3 %)

Fazit: Derselbe Titel kann in unterschiedlichen Dekaden vom Volltreffer zum Verlustfall werden.

Wichtige Hinweise zu Einzelaktien

  • Einzeltitelrisiko: Einzelne Aktien können dauerhaft underperformen oder im Extremfall wertlos werden.
  • Historische Daten: Backtests zeigen, was in den betrachteten Zeiträumen passiert ist. Sie garantieren keine künftigen Ergebnisse.
  • Timing-Risiko: Der Einstiegszeitpunkt hat selbst bei mechanischen Sparplänen starken Einfluss auf das Ergebnis.
  • Steuern: Reale Nettorenditen fallen nach Abgeltungssteuer, Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer niedriger aus.
  • Diversifikation fehlt: Wer nur auf wenige Einzeltitel setzt, trägt deutlich höhere Risiken als mit breiter Streuung.